Texte

Seit meiner Kindheit entwickelte ich ein Interesse an unterschiedlichen Ausdrucksweisen. Beginnend beim Zeichnen und Malen waren dies das Kabarett, die Schauspielerei, die Pantomime, der Tanz und die Fotographie.

Das Zeichnen und die Malerei beschäftigten mich durchgängig. Die Begegnung mit meinem Lehrer Roderich Rusen in Neumünster und später die Kunstszene in der Landeshauptstadt Kiel waren sehr lehrreich.

Eine künstlerische Nähe entwickelte ich über die Jahre jedoch zu den Arbeiten von Pablo Picasso, Henry Matisse, David Hockney, die Brücke Maler, Barnett Newman, Katharina Grosse, Imi Knoebel und Tom Wesselmann. 

Mit großer Neugierde und Freude schaue ich heute auf die Arbeiten von Joan Mitchell und Aki Kuroda, deren Farbigkeit und Abstraktion mich sehr anregen.

Alle meine Arbeiten orientieren sich an der Wirklichkeit und bieten mir dennoch Raum für meine Art der Deutungen, des Ausdrucks und dem Grad der Abstraktion. Auch in den gegenwärtigen Arbeiten strebe ich eine Reduktion auf das für mich Wesentliche an: wenige Striche, oft nur Linien, wenige Flächen und eine kleine Auswahl an Farben. 

Die Themen meiner Arbeiten stehen zumeist in enger Beziehung zum Meer und/oder sind am Meer entstanden: Menschen am Strand, Blicke aufs Meer, Regattaboote, Stillleben, Sonnen- und Schattenplätze, Lesende, etc.
Das übergeordnete Thema aller Arbeiten könnte - Leben am Meer- lauten. 
Ein Teil der Arbeiten sind Einzelwerke, ein anderer besteht aus kleinen Serien, die ein Thema variieren.

Doch auch andere Themen interessieren mich wie das Fußballspiel, Beachvolleyball oder das Snowboarden. Hier liebe ich die körperliche Präsenz, dynamische Bewegungen und den Wettkampf in diesen Sportarten, welche ich dann in meinen Bildern zum Ausdruck bringe.

Viele Werke sind auf Reisen in Dänemark, Italien, Holland, Spanien, Griechenland, Frankreich, in der Schweiz und in Australien oder direkt am Strand in Schilksee und Strande entstanden.

In den letzten Jahren fahre ich im Frühsommer in die Toscana und in die Provence und arbeite an den Themen Portrait, Akt, Figurenzeichnen und Landschaft, welche ich in meinem Atelier in Schilksee dann weiter bearbeite.
Mathias Hütter spricht am 8. September 2001, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung SEBASTIAN RICHTER - MALEREI GRAPHIK FOTOGRAPHIE in der Galerie Weberkate in Strande, über das graphische Werk von Sebastian Richter: 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Sebastian!
Mein Name ist Mathias Hütter, ich bin als Graphik–Designer, Illustrator und Lehrer im allertiefsten Süden der Republik, in Schwäbisch Gmünd bis Stuttgart, tätig –und erfülle hier und heute Abend sehr gerne den Wunsch, zu dieser Ausstellung und zu den Arbeiten von Sebastian Richter einige einführende Worte zu sprechen. Doch Vorsicht! Ich tue dies nicht aus kunsthistorischer Expertenwarte, sondern quasi als Zeichnerkollege – und als Freund und zeitweiliger Weggefährte: Wir haben einige Semester gemeinsam an der Muthesius–Hochschule in Kiel studiert – und das ganz nebenbei – entdeckt, dass die Freie Kunst mitunter weitaus spannender sein kann als das Angewandte Tun – das Graphik–Design. Aber zurück zu meiner Aufgabe, zurück zu Sebastian Richter und seinen Arbeiten.
Ich sagte es ja bereits indirekt – wenn ich mich als Zeichnerkollege bezeichne – Sebastian Richter ist ein Zeichner. - Und selbst, wenn er malt, dann spielt die Linie eine große Rolle, - dann fasst sie ein, rhythmisiert und dominiert schließlich das Geschehen. Und so wird es Sie nicht überraschen, wenn ich meine Worte plakativ betitle: „ Die Linie lebt“ – oder „ Es lebe die Linie“.
Unter diesem plakativen Dach werde ich heute Abend über drei Dinge reden: Ich spreche über das Glück des Zeichnens, über das Glück des Moments und über die Glücksgefühle des Betrachters. Wenn von so viel Glückseligkeit die Rede ist, - so ist dies natürlich vorerst einmal eine rhetorische Finte, um mir Ihre Aufmerksamkeit zu sichern. Warten wir es also ab: Zuerst einmal zum „Glück des Zeichnens“, zum „Glück des Zeichners“, zum Zeichnen überhaupt: Sebastian Richters Kunst, die Zeichnung, ist die archaischste überhaupt: Die Zeichnung ist der Urtyp der fixierten Geste, sie ist Seelenseismographie und Ausdruckstanz der Hände. Ob Beschwörungsritual der Höhlenmenschen, ob Runenzeichen oder Kritzeleien der Aborigines – das Medium der Zeichnung ist immer unmittelbar und dringlich. Es ist immer unausweichlich und direkt. Zeichnen ist wie Schreiben, wie Sprechen, wie Gehen: Ein ganz individueller Akt. Und deshalb spiegelt sich auch in jeder Zeichnung das Individuelle im Menschen: Sein Geist, seine Triebe, sein Verstand, seine Verwirrung, sein Temperament, seine Laune. So einmalig wie der Mensch ist, so einmalig ist der Duktus einer Zeichnung. Aber nun vom Allgemeinen zum Speziellen: zu Sebastian Richters Art zu zeichnen:
Ich habe ja am Anfang formuliert „ Die Linie lebt“ - und damit auch wirklich nur eine Linie oder einige wenige gemeint. Sebastian Richters Zeichnungen leben von der Kunst der Selbstbeschränkung. Ganz wenig Lineatur füllt die weiße Fläche. Da eine Horizontalandeutung, da ein bisschen Schraffur aus dem Handgelenk heraus. - Und unser Gefühl sagt uns – zu Recht – ja, das reicht, das bedarf keiner Ergänzung. Ein jegliches an mehr wäre ein Zuviel. Sebastian Richters Zeichnungen treffen eine Auswahl aus dem Weltgeschehen, sie filtern sie reduzieren, sie bringen auf den Punkt. Oder besser gesagt: Auf die Linie. Denn am Ende gilt: Die Linie steht. Sie ist unverrückbar. Nur Sie – und sonst keine. –Sebastian Richters Zeichnungen künden von bewusster Auswahl, von entschiedenem Wollen – und Sie geben nicht nur das wieder, was wir landläufig mit „Motiv“ betiteln, sondern auch sein Gefühl, das er für das Leben hat.
Und damit sind wir beim nächsten Punkt dem „glücklichen Moment“. Sebastian Richters Zeichnungen sind immer Momentaufnahmen. Sie nehmen den Moment auf und geben das Glück dieses Moments wieder. Vielleicht stellen wir uns die ganze Zeichnerei einmal kurz vor: Da steht der Zeichner an der Steilküste, blickt auf die Förde, in ihm und vor ihm liegt der Sommertag – und eine weiße Fläche. Sie ist sein Fenster. Sie ist sein Fenster der Welt. Auf dieser weißen Fläche trennt er die Dinge, die er sagen will, von jenen, die er nicht sagen will. Sebastian Richter lässt Dinge weg und betont andere. Er entscheidet über das Wie, das Wo – und das Wieviel. Er versucht mit seinen Augen Bekanntes neu zu sehen und eine unbekannte Seite zu erfinden. Und er lässt sich treiben – vom Glück des Moments. Damit wäre ich auch schon beim letzten Punkt angelangt, dem „Glück des Betrachters“.
Dieser letzte Punkt hängt natürlich ganz eng mit dem vorhergehenden zusammen, mit dem „Glück des Moments“. Wenn wir mal genau hingucken und hinfühlen, merken wir, dass wir als Betrachter teilhaben an Sebastian Richters Moment- betrachtungen. Da lässt uns einer nicht außen vor. Da stehen wir selbst auf der Klippe und erleben das Gefühl der sommerlichen Weite – und wir merken eines: Die Beschränkung und das Weglassen können uns Betrachter dazu anregen, das Vorhandene nach unserem eigenen Empfinden zu ergänzen. In diesem Sinne ermuntere ich Sie: „Machen Sie sich ein Bild von den Bildern und erleben Sie das Glück des Betrachters“. 
„Die Linie lebt – Es lebe die Linie“ (Mathias Hütter) 

„ (…) Strandimpressionen, die bei aller stilistischer Reduktion stets auf Gegenständliches referieren. (Kieler Nachrichten)

„ (...) die stilisierten Eindrücke unserer wunderschönen Küste haben mir sehr gut gefallen.“ (Katharina Sturm) 

„Mit sicherer „Federführung“ auf genialer Weise das Wesentliche ausgedrückt!“ (Kathrin Heyn) 

Sportliche Leichtigkeit (…) Badegäste an der Ostsee schnell und treffsicher skizziert, aber ebenso Snowboarder oder Skater. (Kieler Nachrichten)

„(…) beeindruckend leichte, unbeschwerte Zeichnungen.“ (Redaktion Unser Blücher)